Gegengerade OST

02. März 2013, die Sonne überflutet die Sportanlage an der Kölner Straße. Drei altgediente Mitglieder der AH-Abteilung des VfR Fischeln treffen sich wie schon unzählige Spieltage zuvor zum Heimspiel der ersten Mannschaft. Routine seit vielen Jahren, wenn der VfR auf der heimischen Anlage kickt.
Doch an diesem herrlichen Frühlingssonntag lag irgendetwas zunächst unbeschreibliches in der Luft. War es Anspannung, die unsere drei Routiniers vor dem wichtigen Spiel unserer Mannschaft plötzlich befiel? Waren es die Überraschungen, die ihnen unser Cheftrainer in der Mannschaftsaufstellung präsentierte? Flößte ihnen die Trikotfarbe des gegnerischen Teams Furcht ein? Welchen Trillerpfeifenton schlägt der Schiedsrichter heute an? Oder hatte der Vereinswirt es etwa gewagt sein Bier anders zu temperieren? All das war nicht für das seltsame Gefühl unserer drei Alt-Herren-Kicker verantwortlich. Doch was konnte es noch sein?
Wie bei jedem Heimspiel standen sie nun an der Ecke des Sportplatzes, die dem Vereinsheim am nächsten war, warteten auf den Spielbeginn und wunderten sich weiter. Plötzlich fiel es ihnen wie ein Elfmetergeschenk auf den Fuß und sie riefen gleichzeitig das magische Wort, das ihre Probleme an diesem Tag lösen konnte: „PERSPEKTIVE, wir brauchen eine neue Perspektive.“
Gesagt – getan. Unsere drei AH-Fußballer setzten sich wie von einer unsichtbaren und lautlosen taktischen Trainer-Anweisung geführt, in Bewegung. Sie gingen hinter dem Tor vorbei, ließen die Eckfahne rechts liegen und sprinteten noch einige Meter an der Seitenlinie entlang. Mit großen Augen stoppten sie ihren Ausflug. Das war sie, ihre neue Perspektive. Von hier aus hatte noch keiner von ihnen jemals ein Fußballspiel des VfR Fischeln verfolgt. Alles Unwohlsein, das sie vorher beschlichen hatte, fiel von ihnen ab, das Bier schmeckte wieder und sie verbrachten einen wunderbaren Fußballnachmittag.
Einen Tag nach diesem historischen Ereignis, Montag den 3.3.2013 trafen sich die drei Helden unserer Erzählung zu ihrer wöchentlichen Laufrunde. Während sie leichtfüßig mit schnellen Schritten durch den Forstwald rannten, ließen sie die Ereignisse des Vortages noch einmal Revue passieren. Sie konnten sich selber nicht genau erklären, welche höhere Macht sie auf die andere Seite des Sportplatzes geführt hatte. Aber sie wussten genau, für die Heimspiele des VfR hatten sie eine neue Heimat gefunden: Die Gegengerade OST war gegründet.
Bei den folgenden Heimspielen schlossen sich weitere AH-Fußballer den dreien an, um die Spiele von der Gegengerade OST aus zu verfolgen. Die Gruppe wuchs kontinuierlich. Mit Beginn der Saison 2014/2015 konnte durch die großzügige Zuwendung eines anonymen Spenders am Rand des Kunstrasenplatzes eine Bande angebracht werden, die mit dem neu entwickelten Logo den Stammplatz der Gegengerade OST-Mitglieder kennzeichnet.
Außerdem wurde durch den besten Heimwerker der Gegengerade OST ein professioneller Bierbecherhalter angefertigt, der sowohl an der Sportplatzumrandung angebracht werden kann, als auch zum Transport des Gerstensafts geeignet ist.
Inzwischen wurde in der Gaststätte Lommerzheim in Köln-Deutz die erste Vorstandsitzung abgehalten. Die drei Gründer der Gegengerade OST erklärten sich zu Präsidenten auf Lebenszeit und bestimmten streng demokratisch einen Finanzwart und einen Schriftführer. „Gegengerade OST – Der Club“ ist in den allerbesten Händen. Zu erkennen sind die Mitglieder der Gegengerade Ost an den Heimspieltagen der ersten Mannschaft an ihren schwarzen AH-Polohemden und zuweilen auch an ihren Sonnenbrillen.

Quelle: Gegengerade-Ost FB